WIRKUNG DES ALKOHOLS

Alkohol


Hier soll nur von Äthylalkohol (C2H5OH) die Rede sein, nicht vom weitaus giftigeren Methanol (CH3OH) oder den zahlreichen anderen Alkoholen mit größeren Molekülen, die auch als zumeist unerwünschte Nebenprodukte bei der alkoholischen Gärung zur Gewinnung von berauschenden Getränken anfallen.


Natürliches Vorkommen im Menschen

Jeder Mensch hat Alkohol als natürliches Stoffwechselprodukt immer zu ca. 0,02 Promille in seinem Blut. Bei einseitiger Ernährung mit zur alkoholischen Gärung geeigneten Kohlehydraten kann der Alkoholgehalt des Blutes bis auf über 0,2 Promille steigen. Mit aus dem Zucker-, Traubenzucker- oder Stärkeanteil verschiedener Pflanzen gewonnenen alkoholischen Getränken lassen sich noch höhere Alkoholkonzentrationen im Blut erreichen, die dann auch zu erheblich stärkeren Wirkungen führen.

Die Rauschwirkung des Alkohols in Gesellschaft

In relativ kleinen Dosen erzeugt Alkohol meistens das Gefühl geistigen und körperlichen Wohlbefindens, eine zufriedene, wohlwollende und mitteilsame Gemütsstimmung. Bei etwas höherer Dosierung kommt es zu einer gewissen psychischen Labilität und Enthemmung, was sich in ungewöhnlich lebhaftem Auftreten niederschlagen kann. Auch eher schüchternen und verlegenen Personen löst sich die Zunge und ein jeder ist sehr zufrieden mit dem was er sagt. In diesem Zustand erhöht sich die Pulsfrequenz auf ca. 100 Schläge pro Minute, Wärme macht sich im Körper breit, der Kopf ist heiß, bisweilen gerötet. Das Selbstwertgefühl steigt (seltener sinkt es), man meint allem gewachsen zu sein und verhält sich entsprechend. Dieser Zustand liefert den stärksten Anreiz zum Alkoholgenuß und läßt die Flasche als einen Freund auch im tiefsten Unglück erscheinen. Jenseits dieses Zustandes beginnt der eigentliche Rausch. Das seelische Gleichgewicht und auch das körperliche gehen verloren, die Zunge wird schwer, die Motivation für das Handeln des Betrunkenen wird für außenstehende zunehmend schwieriger nachvollziehbar und die anfängliche Lebhaftigkeit wird von Mattigkeit und Schläferigkeit abgelöst. Häufig kommt es zu Übelkeit und Erbrechen. Das Gesicht wird blaß. Bei weiterer Alkoholzufuhr tritt ein narkoseähnlicher Zustand mit vollständiger Bewußtlosigkeit ein - Alkohol wäre wegen seiner geringen Nebenwirkungen ein ideales Mittel für Narkosen bei Operationen, wenn sein Bereich der Narkosewirkung nicht relativ schmal wäre - ständig bestünde die Gefahr, daß der Patient erwacht, oder im Gegenteil in die ewigen Jagdgründe abgleitet. Chloroform und Äther wirken als präziser zu handhabende chemische Verwandte des Alkohols ähnlich wie er und werden bisweilen auch zur Berauschung verwendet, wobei die Aufnahme in der Regel durch Einatmen erfolgt. Stunden nach Ende der Alkoholisierung kommt es zur Erholung von der Drogeneinnahme unter den verschieden stark ausgeprägten Nachwehen mit körperlicher und geistiger Niedergeschlagenheit, Übelkeit und Kopfschmerzen. Wenn Alkohol ohne die Beteiligung anderer Personen eingenommen wird, ändert sich sein Wirkprofil etwas, die Erhöhung der Herzfrequenz tritt dann zum Beispiel nicht auf. Hier besteht eine gegenseitige Bedingung körperlicher und psychischer Faktoren.


Das objektive Wirkprofil

Alkohol wirkt nicht nur bei Menschen und Tieren, sondern auch auf Pflanzen. Bei Pflanzen, wie Tieren und Menschen zeigen geringe Alkoholkonzentrationen eine aktivierende und anregende Wirkung, die Wahrnehmung wird intensiver und präziser, Bewegungen können schneller und genauer durchgeführt werden und die Reaktionszeit wird beschleunigt. Mäßige und hohe Konzentrationen bewirken praktisch das Gegenteil, sie wirken in erster Linie verlangsamend und betäubend, die Sinnesorgane lassen nach. Eine plausibe Theorie für diese dosisabhängig entgegengesetzte Wirkung geht davon aus, daß Alkohol schon in kleinsten Dosen betäubend wirkt, jedoch nicht gleichmäßig - das Entgleisen der Steuerfunktion führt gemeinsam mit dem automatischen Gegenlenken des Organismus zunächst zur objektiven Verbesserung und bei erhöhter Konzentration zur objektiven Beeinträchtigung der Leistungen. Der Verlust an Fertigkeiten vollzieht sich uneinheitlich. Während bei höheren Alkoholmengen (80 g reiner Alkohol) keine gravierenden Einschränkungen bei der Fähigkeit Zahlen zusammenzuzählen auftreten, bestehen schon erheblich Defizite bei der Lernfähigkeit, der Sinneswahrnehmung und Änderungen in der Gedankenassoziation (sollen Versuchspersonen mit und ohne Alkoholeinfluß angeben, welches Wort ihnen auf ein Stichwort zuerst einfällt, nennen sie ohne Alkohol hauptsächlich sinnverwandte Worte (Strom - Elektrizität), unter Alkoholeinfluß jedoch klanggleiche Worte (Strom - Dom)). Schon unter 10 g (reiner Alkohol) bleibt zwar noch eine Beschleunigung feststellbar, aber die Fehlerquote erhöht sich schon deutlich und zwar um so stärker, je größer die interlektuelle Anforderung der Tätigkeit sind; die Versuchspersonen sind indessen stets der Meinung, daß sie unter Alkoholeinfluß bessere Arbeit geleistet haben - ein höchst charakteristisches Phänomen, das man auch im täglichen Leben in Form geschwächter Selbstkritik schon nach kleinen Alkoholmengen antrifft. Die Muskelkraft wird durch Alkohol (wieder 80 g) unmittelbar nach der Einnahme für einige Minuten erhöht, setzt sie dann aber für mehrere Stunden herab (auch hier meinten die Versuchspersonen trotzdem, sie seien besonders leistungsfähig). Nach Beendigung einer anstrengenden Tätigkeit beschleunigen gerine Alkoholmengen die Regeneration. Die Körpertemperatur wird von Alkohol herabgesetzt. In gewöhnlichen Dosen bis zu einem Grad Celsius. Die Atmung wird etwas verbessert, erst sehr hohe Mengen bewirken das Gegenteil bis hin zur Atemlähmung. Der Tod tritt bei Erwachsenen im Schnitt bei fünf Promille Alkohol im Blut ein. Bei Kindern früher.


Der Weg des Alkohols im Körper

Nach dem Verschlucken und kurzem Aufenthalt im Magen, wird Alkohol als leichtverdaulicher Kalorienträger hauptsächlich durch die Wände des Dünndarms aufgenommen. Er verteilt sich dann gleichmäßig in allen Körperflüssigkeiten - nicht nur im Blut! Alkohol wird im Körper biochemisch abgebaut und zur Energiegewinnung genutzt (100g = ca. 720 Kcal). Nur ca. 2 % verlassen den Körper unverändert über Blase, Lunge und Haut (wenn die Umwandlungskapazität überschritten wird auch mehr). Angetrunkene stillende Frauen geben über ihre Milch Alkohol an Säuglinge weiter (0,02 % Alkoholgehalt der Milch bei Aufnahme von ca. 20 g Alkohol durch die Stillende). Die Geschwindigkeit des Abbaus unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, einige million Japaner haben zum Beispiel genetisch bedingte Probleme damit. Im Schnitt werden 100 ccm in ca. 12 Stunden abgebaut. Dabei entsteht vor allem in der Leber, dem bedeutendsten Entgiftungsorgan, als erstes Zwischenprodukt bei der Nutzung zur Energiegewinnung hauptsächlich Azetaldehyd (Äthanal), das deutlich giftiger ist als Alkohol (Äthanol) selbst und dem in erster Linie die Verantwortung für Dauerschäden gegeben wird, dann über die Umwandlung in Essigsäure (Ethansäure) der Einstieg in den normalen Fett und Kohlehydratstoffwechsel im Körper - die besondere Giftigkeit von Methylalkohol (Methanol) beruht auch auf dessen Umwandlung zu Ameisensäure (Methansäure) über Formaldehyd (Methanal), die dann inneren Verätzungen bewirkt. Alkohol beeinflußt die Aufnahme anderer Lebensmittel. Geringe Mengen (z.B. Alkoholanteil bis 3 % des Mageninhalts) steigern die Produktion von Verdauungssäften (Speichel, Magensäure, ...), große Mengen (ab 10 %) senken die Abgabe und mittlere (um 5 %) verhalten sich in Hinblick auf die freigesetzte Flüssigkeitsmenge neutral. So nutzt also ein Schnaps durchaus der Verdauung, wird mehr getrunken, tritt das Gegenteil ein.


Dauerschäden

Anhaltender Alkoholmißbrauch erzeugt eine chronische Vergiftung, bei der nahezu alle Teile des Körpers Schaden nehmen. Zuerst und vor allem leidet das Zentralnervensystem. Die Leistungsfähigkeit des Gehirns verringert sich zusehends. Gedächtnis, Intelligenz, Denken, Handeln und Ethik verlieren zunehmend an Niveau - nicht nur bei notorischen Säufern, sondern auch bei den viel zahlreicheren anderen, deren häufiger Alkoholgenuß auf den ersten Blick ohne Schaden verlief. Später kommt es zur Schrumpfung des Gehirns. Nervenschäden, besonders an den weit vom Zentralnervensystem entfernten Händen und Füßen, zeigen sich in vermindertem Tastsinn, Gefühlsstörungen, Zittern, unpräzisen Bewegungen, insgesamt als Polyneuropathien. Schleimhautentzündungen im Rachen und besonders im Magen ziehen um so mehr eine schlechte Ernährung nach sich, je höher der Alkoholanteil im üblichen Getränk liegt - Schnapstrinker sind in der Regel dünn. Bei regelmäßigen Bier- und Weintrinkern dominiert meist die Wirkung der Kalorien des Alkohols - sie haben Probleme mit Übergewicht. Das Herz wird geschwächt, die Nieren schrumpfen, die Bauchspeicheldrüse neigt zu Entzündungen, Blutungen im Magen-Darm-Kanal treten auf. Die Leber als Hauptentgiftungsorgan des Alkohols weist erst relativ spät gravierende Schäden auf - Fettleber, Hepatose, Zirrhose ... .

Ungeborenes Leben und Kinder

Die Entwicklung von Kindern im Mutterleib wird unter Alkoholeinfluß fehlgeleitet. Ihre körperliche und geistige Entwicklung vor und nach der Geburt bleibt hinter der normaler Kinder zurück. Ihre deutlich gröberen, undifferenzierteren Gesichtszüge fallen durch breite Nasen, schmale Lippen und klein aussehende Augen auf. Ihre kleine Leber ist oft von der für die häufig trinkende Mutter mitgeleistete Alkoholentgiftung gezeichnet ("Säuferleber"). Verschiedene Erkrankungen, wie unmotivierte Bewegungen (Chorea), Epilepsie, Neurasthenie, Schwachsinn und Verhaltensauffäligkeiten sind gehäuft bei Nachkommen von Trinkern zu finden. Doch bestehen in solchen Familien oft vielfache Belastungen für das Kind, sodaß im Einzelfall nicht vorschnell dem Alkohol die alleinige Schuld gegeben werden sollte. Je jünger die Kinder sind, desto stärker und schädlicher wirkt sich Alkohol aus. Die Empfindlichkeit von Kindern gegen alkoholverwandte Stoffe ist so groß, daß schon ein Eßlöffel Zucker, dem "kleinen Bruder" des Alkohols, ähnliche Wirkung entfaltet, wie ein kleines Glas Wein bei einem Erwachsenen. Dieses Glas Wein wäre für ein Kleinkind bereits tödlich.

Anwendung als Volksmedizin und durch Mediziner

Als Heilmittel wirkt Alkohol in kleinen Mengen stärkend auf das Herz. Das machen sich viele ältere Menschen zunutze, indem sie täglich alkoholhaltige Kräftigungsmittel oder Getränke zu sich nehmen. Früher wurde er auch als fiebersenkendes und -linderndes Mittel eingesetzt, neuere Mittel haben ihn jedoch inzwischen bei Ärzten aus dieser Rolle verdrängt. Seine desinfizierende Wirkung ist nach heutigen Maßstäben nicht sicher genug. Entzündungen fast jeder Art werden durch alkoholische Umschläge positiv beeinflußt. Er dient auch heute noch als Bestandteil kühlender Salben und Einreibungen. Alkohol erleichtert das Einschlafen, diese Wirkung wird leider zugunsten von schädlicheren Schlafmitteln zu wenig genutzt (wenngleich es bessere Möglichkeiten gibt, als Drogen um Schlaf zu finden). Bevor künstlich erzeugtes Insulin zur Verfügung stand, um Diabetes auszugleichen, galt Alkohol als wertvolle Ergänzung der damals für Zuckerkranke üblichen fettreichen Diät. Alkohol kann als Mittel gegen akute Vergiftungen durch Methylalkohol und Frostschutzmittel (Glykol) angewendet werden - der Körper bevorzugt normalen Alkohol bei der weiteren Verwendung und Umwandlung, dadurch wird weniger Methylalkohol oder Frostschutzmittel im Stoffwechsel verwertet und mehr davon unverändert ausgeschieden. Daneben führt Alkohol als Konkurenzgift zu Amalgam zu einer geringeren Schädigung und vermindert die Anreicherung von Quecksilber. Dieser Effekt ist als Daueralternative zur Entfernung der Füllungen allerdings zu schwach und mit einigen Nachteilen behaftet.

Wechselwirkungen

Mit eßbaren Tintenpilzen kommt es oft zur Wechselwirkungen, aus der ein typisches Vergiftungsbild mit intensiver Hautrötung, Atem- und Pulsbeschleunigung, Kopfschmerzen, Übelkeit und stärkeren Gleichgewichtsstörungen ohne Trübung des Bewußtseins führt. Bei der Behandlung von Alkoholikern wird unter anderem das auch als Fungizid wirkende Mittel Disulfiram verwendet. Es hemmt den weiteren Abbau von Azetaldehyd zu Essigsäure und verstärkt dadurch die unangenehmen Nebenwirkungen des Alkoholgenusses, was bei Alkoholikern zu Ekel vor alkoholischen Getränken führen soll. Bei hohen Alkoholkonzentrationen im Blut wirkt Disulfiram tödlich. In den Beipackzetteln vieler Medikamente wird auf Wechselwirkungen mit Alkohol hingewiesen. Dieser von Epigonen der Medizin oft nachgebetete Warnhinweis trifft mal zu und mal nicht, gravierendere Wechselwirkungen werden dagegen zumeist nicht erwähnt - Alkohol ist als "die" legale Droge stärker im Bewußtsein und weiter verbreitet als andere weitaus giftigere Seelentröster.
Die verschiedenen Formen der Alkoholsucht und der Entzug werden hiermit erwähnt, aber nicht besprochen.





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